Eva-Jasmin-Personal-Tired-Sad-Girl-Blonde.Portrait

Fragen über Fragen.

„Hast du abgenommen?“,“Geht es dir gut? Du siehst so traurig aus…“,“Du sieht schmal aus, ist alles in Ordnung bei dir?“

Fragen wie diese hört sie in letzter Zeit immer öfter. Bei jeder Frage aufs neue schüttelt sie den Kopf und tut diese ab, zuckt mit den Schultern und murmelt ein „lächerlich, natürlich ist alles gut“ vor sich hin. Wenn sie es sich nur oft genug sagt, vielleicht glaubt sie es dann ja selbst? Eigentlich kann sie sich ja auch mehr als glücklich schätzen. In der neuen Stadt fühlt sie sich unfassbar wohl, sie liebt ihre Wohnung über alles (endlich eine eigene Wohnung, ein eigenes Reich). Okay der Begriff Wohnung ist da wohl etwas großzügig gefasst. Schuhkarton. So nennt sie ihre Wohnung selbst gerne liebevoll. Eigentlich ist es ja auch nur das, ein kleiner Schuhkarton, vollgestopft mit viel zu viel Kram und Dekokrusch. Aber irgendwie eben doch gemütlich und wohnlich.

Wohnlich und sie fühlt sich mehr als wohl. Was will sie also mehr? Auch ihre Arbeit in der Agentur, bei der sie momentan Praktikum macht, macht ihr unfassbar viel Spaß. Sie hat irgendwie genau das gefunden, was sie machen will. Wonach sie irgendwie insgeheim, ohne es selbst richtig zu wissen, gesucht hat. Ja man könnte sagen sie hat (zumindest für den Moment) ihren Traumjob gefunden und übt ihn aus. Nebenbei verfolgt sie ihre Selbstständigkeit weiter und hat immer neue Ideen, welche Projekte sie gerne umsetzen würde.

Nur eins hat sie irgendwie nicht: Zeit. Sie hat keine Zeit die Projekte umzusetzen. Sie hat kaum Zeit, sich um irgendwas außer die Arbeit in der Agentur, ihre andere Arbeit und die Uni zu kümmern. Sicher, die Uni ist momentan super „entspannt“, aber auch so ein Praktikumsbericht schwebt dann eben doch wie ein Damoklesschwert über ihr, ebenso wie das Expose für ihre Bachelor-Arbeit, ganz zu schweigen von der Bachelor-Arbeit selbst. Die Frage ob sie danach noch einen Master machen will, verdrängt sie meist lieber, wenn sie sich auch noch damit befassen müsste, würde sie vermutlich vollkommen den Verstand verlieren.

Aber tut sie das nicht bereits? Immerhin sitzt sie mal wieder regelmäßig bis um 3 Uhr nachts an Ihrem Laptop und tippt ein Wort nach dem anderen in die Tasten, während sie parallel dazu noch überlegt, welche Bilder sie noch bearbeiten soll und welche Emails noch beantwortet werden müssen. Gut, dass sie in 6 Stunden wieder im Büro sein muss und noch keine Sekunde Schlaf hatte. Aber schlafen kann sie momentan ohne hin nicht und wenn sie dann endlich einmal einschläft, wacht sie andauernd auf und ist nach wenigen Stunden wieder hellwach. Woran das liegt weiß sie nicht genau. Wobei. Eigentlich weiß sie es ganz genau.

Sie kann nicht abschalten, in ihrem Kopf kreisen permanent die Gedanken um alles mögliche und auch wenn ihr allgemeiner Workload nicht das Problem ist, so wird er momentan zum Problem, da neben den beruflichen Themen ein privates Drama das nächste jagt. Es saugt sie aus. Sie spürt wie ihre Nerven emotional blank liegen. Sie fühlt sich leer und zugleich so angreifbar wie noch nie zuvor. 

„Hey meine Liebe, geht es dir gut? Du wirkst bedrückt.“ – Wenn sie solche Fragen schon von ihren Vorgesetzten gestellt bekommt, dann sieht man es ihr vermutlich an. Selbst ihre Freunde sagen ihr, dass sie auf sich aufpassen solle. Aber wie passt man auf sich auf, wenn man nichts an seiner Situation ändern kann?

Wie passt man auf sich auf, wenn man arbeitstechnisch super happy ist und man auch wirklich gerne zwei Jobs auf einmal macht, man jedoch einfach überfragt damit ist, worüber man seine Bachelor-Arbeit genau schreiben soll und wie man seinen Praktikumsbericht aufbauen soll? Wie passt man auf sich auf, wenn man, sobald man sich emotional von etwas distanziert hat, was einem nicht gut tut, auf einmal gezwungenermaßen wieder mittendrin steckt. Wie passt man auf sich auf, wenn man vor manchen privaten Dramen einfach nicht davon laufen kann.

Fragen über Fragen.

Sie weiß es nicht. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Sie weiß nur eins: sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie schaut in den Spiegel, in ihre verquollenen Augen und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Denn sie muss stark sein. Das war sie immer und wird sie immer sein. Noch ein letzter Blick und sie verlässt das Badezimmer.

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2 Comments

  • Reply Sarah 2. Dezember 2018 at 21:01

    Ein inspirierender Post, der mich zum nachdenken bringt. Einfach toll geschrieben und wohl durchdacht. Du sprichst mir aus der Seele und wahrscheinlich auch vielen anderen.

    Allerliebste Grüße,
    Sarah❤️

    • Reply Eva 2. Dezember 2018 at 23:19

      Oh vielen, vielen Dank dir! <3

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